Mein Morgen richtet sich nach der Bayern2 Kulturwelt. Ich tue alles, um (zur Not auch ungeschminkt und fern der Heimat) pünktlich um 08.30h in meinem Auto zu sitzen und auf Bayer2Radio zu schalten. Während der 30minütigen Fahrt höre ich meine Sendung. Telefonieren kann ich in dieser Zeit nicht (da verpasst man immer das Wichtigste) und mein Diktiergerät liegt am Beifahrersitz bereit, falls ich mir etwas merken will.
Das Neueste aus der Kultur wird mir erzählt von Stimmen, die bereits alte Freunde für mich sind. Ihre Namen muss man mir nicht mehr sagen, ich erkenne sie auch so.
Knut Cordsen. Was ich am Anfang für trockene Tonlosigkeit hielt, entpuppte sich als kehliges Sangfroid. Seit ich ihm zuhöre hat er sich niemals versprochen, oder in einem Satz verlaufen. Sein Timbre ist elegant, seine Wortwahl makellos. Er liebt die Literatur und er findet die richtigen Worte zu Musik.
Barbara Knopf’s leicht brechende Stimme kommt einem nicht ganz nahe. Sie berichtet mir mit feliner Distanziertheit. Ihr Urteil scharf und unbestechlich – sie macht keine Gefangenen. Ich verehre Sie dafür, wie sie die immer unglücklichen Überleitungen ihres Vormoderators „was macht ihr heute Schönes?“ (als gälte es eine Kindergartengruppe zu beschäftigen) pariert und sich nicht beirren lässt.
Wie angenehm ist es doch nicht von den üblichen überzüchteten, künstlich-sonoren Quotenstimmen angesprochen zu werden. Diese Natürlichkeit ist menschlich und jede Nicht-Perfektion ist schön.
So berichtete mir die sanfte und zutrauliche Stimme von Wilhelm Warning kürzlich von der Documenta in Kassel. Dort hatte ein Gehörlosenchor zusammen mit einer klassischen Sängerin eine Bach Kantate dargeboten. Warning nannte diese Klänge behutsam „seltsam anmutend“. Ich verstand was er meinte. Ich hatte das Gefühlt den Grund des Wesens dieses Werkes erkannt zu haben. So als würden zusätzliche Frequenzen zu Tage gefördert, die mir das Verständnis erst ermöglichten. Als wäre ich in meine ungenutzten Gehirnsphären vorgedrungen und wäre hinter das Geheimnis der Welt gekommen.
„The Art of Perfection“ las ich kürzlich auf einem Plakat voller Unverständnis.
Für mich sind das zwei Begriffe, die sich ausschließen.
Daniel Stern
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