Joshua Bell ist ein experimentierfreudiger Mann.
Als einer der bedeutendsten lebenden Violinisten ließ er sich von „The Washington Post“ zu folgendem Streich überreden:
Bell sollte sich in Straßenkleidung zur morgendlichen Rush-Hour an eine der meistfrequentierten U-Bahnstationen in der US-Hauptstadt postieren, um dort ein 45 minütiges Konzert zu geben.
„Would beauty transcend?“ (Würde sich die Schönheit übertragen/herüberkommen?) – fragten sich die Initiatoren und baten Leonard Slatkin (Direktor des National Symphony Orchestra), um eine Einschätzung, wie die Reaktionen sein würden. Slatkin gab folgende Prognose ab:
Auch wenn Bell von den Vorbeieilenden unerkannt bleiben würde, so würde er dennoch auf Grund der künstlerischen Qualität seines Spiels bemerkt werden. Von 1000 geschätzten Menschen würden ca. 40 Personen die Meisterschaft der Darbietung erkennen. Um die 100 würden stehenbleiben und zuhören; mindestens $ 150,– würden gespendet werden.
Sollte Slatkin mit seiner Annahme zu tief gegriffen haben und sollte Bell als Star erkannt werden, erdachte man sogar ein „worst case scenario“ in dem eine riesige Zuschauermenge von der Nationalgarde gebändigt werden müsste.
Am 12. Jannuar schließlich stellte sich Joshua Bell in Jeans und T-Shirt mit seiner Stradivari neben einen Müllkübel in der L’Enfant Station und spielte 43 Minuten lang under anderem Bach’s „Chaconne“.
Es bildete sich KEINE Menschenmenge und nur eine Person erkannte Joshua Bell. Die Ausbeute betrug $ 32,17 und von 1.097 Passanten blieben 7 Personen stehen.
Ist das erstaunlich?
Nein, natürlich nicht.
Unter den 7 Passanten, die in der Lage waren zu begreifen, welche Sternstunde sich Ihnen bot, waren ein ausgebildeter Violinist, eine Konzertbesucherin und ein Hobbygitarrist.
Unter den 4 unbedarften Zuschauern befand sich auch ein 3-jähriges Kind.
In anschaulicher Weise zeigt das „Washington Post“ Experiment auf, dass Qualität den Katalysator von Kommunikation und Präsentation braucht, um vom breiten Publikum erkannt zu werden. Dies ist durchaus legitim, denn eine komplexe Kunst, wie die Musik benötigt viel Vorstudium, um wirklich erfasst und beurteilt werden zu können. Denjenigen, die diese Zeit nicht investiert haben, helfen Experten, deren Aufgabe es ist Talente zu erkennen und zu fördern.
In zukünftigen Beiträgen werden wir uns bemühen, genau dies zu tun.
Passen Sie auf – es könnte der nächste Joshua Bell sein!
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